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Sommergedanken

    Kurz nach der soroptimistischen Sommerpause wird meine Präsidentschaft zu Ende gehen: Zeit für einige Gedanken!

    Ich habe in den letzten 2 Jahren sehr viel erlebt und gelernt und dafür kann ich nur dankbar sein und ich habe es wirklich gerne gemacht.

    Auch wegen unseres Jubiläums war es für unseren Club eine sehr intensive und auch schöne Zeit. Ich denke es kann einem Serviceclub nichts Besseres passieren als dass viel passiert. Der Club wird aus der Routine gerissen und jeder muss plötzlich was tun. Jede von uns hat sich eingesetzt, um an unserem Fest zu arbeiten (es gab auch bei uns keine Ausreden;)). Es wäre aber eine Hypokrisie nicht zuzugeben, dass so eine Organisation, die den ganzen Club involviert hat, nicht auch Spannungen mit sich bringt. Rückblickend kann ich sagen, dass die Spannungen wesentlich waren, um das Endergebnis zu ermöglichen. Aus den vielen Vorstellungen, Ideen, Ansätzen und Grundsätzen musste ein einheitliches Bild entstehen. Als Präsidentin habe ich mich bemüht diesen Prozess zu begleiten und zu leiten. Und wie es immer ist, gibt es etwas was ich besser oder anders machen hätte können, aber grundsätzlich bin ich auf das Ergebnis stolz und ich muss zugeben, dass es mir auch viel Spaß gemacht hat.

    Spannend ist die Präsidentschaft eines Clubs aber immer. Laufend stehen Überlegungen an welches Programm, welche Vorträge und welche Projekte interessant sein könnten. Was könnte die Anteilnahme am Clubleben erhöhen und alle interessieren? Diese Verantwortung habe ich stets gespürt. Zur wahren Belastung wird die Präsidentschaft, wenn es interne Auseinandersetzungen gibt, die weder durch Diplomatie noch durch andere Maßnahmen zu lösen sind. Das ist der Moment wo die Überlegung auftaucht, dass jede von uns ihre Aufgaben ehrenamtlich übernimmt und man in der Lage sein sollte sich gewisse Angelegenheiten nicht zu nahe gehen zu lassen. Aber ist es möglich, dass etwas was wir ehrenamtlich machen uns weniger nahegeht, als etwas wofür wir bezahlt werden? Oder sollte es nicht das Gegenteil sein? Darüber werde ich mir noch Gedanken machen müssen.

    Auch unsere neue Homepage ist eine wichtige Aufgabe meiner Präsidentschaft gewesen. Ich vertrete immer die Theorie, dass eine Homepage wie die Visitenkarte ist. Ohne geht es nicht mehr. Aber wenn ihr diesen Artikel gerade lest, dann kann ich das als Erfolg betrachten.

    Ein großes Vergnügen als Präsidentin ist die Möglichkeit viele interessante Personen kennen zu lernen. Manchmal wurde mir erst beim Erzählen an nicht Soroptimistinnen bewusst, welche tolle Frauen ich durch das soroptimistische Netz, aber vor allem in meinem eigenen Club kennen lernen durfte (danke, ihr habt mir die Möglichkeit gegeben mich erfolgreich zu fühlen, weil ich eine von euch bin).

    So viel zu unserem Clubleben, aber was hat sich in den letzten 2 Jahren in Bezug auf die Lebenssituation von Frauen getan?

    In Italien hat zurzeit eine große mediale Aufmerksamkeit das Thema Frauenmord (it: Femminicidio, die Zahlen von Frauen, die von ihren Ehemännern, Ex-Ehemännern, Freunden oder Ex-Freunden ermordet werden, sind erschreckend). Eigentlich wird mit Femminicidio weitergehend „jede Form an Gewalt die systematisch gegen eine Frau gerichtet wird im Namen einer ideologischen patriarchalischen Überordnung, um die Unterordnung fortzusetzen und die Identität durch physische oder psychische Unterwerfung, bis zur Sklaverei oder dem Tod zu vernichten“ definiert. In den Zeitungen werden die Toten hervorgehoben.

    Mit Freundinnen habe ich lange diskutiert ob „Mord“ nicht „Mord“ sein sollte: warum die Unterscheidung? Warum die Bezeichnung Femminicidio? Leider ist die Unterscheidung noch notwendig um sich vor Augen zu halten, dass in Europa Frauen noch immer viel zu oft in einer dem Mann untergeordneten Position stehen.

    Als Frau und Soroptimistin habe ich schon immer die Verantwortung gespürt mich gegen Gewalt gegen Frauen einzusetzen, als Präsidentin hatte ich mir gedacht: „man muss ja was tun können!“. Unser Club hat sich in den letzten 2 Jahren in mehreren Bereichen engagiert, um die Lebenssituation von Frauen zu verbessern. Ob wir etwas bewegen konnten, wird sich in der Zukunft weisen. Ich weiß, dass es leider nicht genug war!

    Aber für jetzt freue ich mich einmal auf unsere Clubreise ins Friaul und dann geht die Arbeit, in welcher Form auch immer, weiter…